Vorschau Team-WM in Tokio
Tischtennis

Vorschau Team-WM in Tokio

Die beiden Schweizer Teams sind bereit

Er ist erst 17 und schon ganz oben: Elia Schmid wurde am Sonntag Einzel-Schweizermeister. Er ist ein Sieger, dem vor ein paar Jahren fast niemand etwas zutraute. Weil er anders spielt als die anderen.

Text: Stefan Kleiser, Photos: René Zwald

Seine Trainer mussten sich immer erklären, und der Spieler auch. Weshalb er den Schläger mit dem Zeigefinger breit über dem Rückhandbelag hält. Warum er den Ball auf beiden Seiten des Körpers mit dem Vorhandbelag berührt. «Ich drehe mein Handgelenk für den Rückhandschlag», beschreibt Elia Schmid seine Eigenart. Lange wurde der 17-Jährige deshalb für nicht förderungswürdig gehalten. Seit Sonntag ist er Schweizer Elite-Meister.

Elia Schmid ist das neueste Beispiel dafür, dass es klappen kann mit dem Erfolg, wenn ein Spieler das will. Die neue Nummer eins kommt nicht aus einem grossen Verein, sondern ist in Meiringen aufgewachsen und spielte zunächst Tischtennis in Interlaken. Weil er für den Breitensportverein bald zu gut war, begann die Odyssee des Juniors durch das halbe Land, den Trainingsbedingungen hinterher, die den Fortschritten entsprachen.

Über Spiez, Brügg, Belp und Bulle ist Schmid inzwischen in Muttenz angekommen. In der NLA, beim besten Team der Schweiz und den besten Sparringpartnern des Landes. Vor fünf Jahren bekam er von den Selektionären noch zu hören, es tue ihnen leid, «aber wir können dich nicht ins Nationalteam aufnehmen». Wegen geringer Erfolgsaussichten. «Dann habe ich die Nachwuchs-Schweizermeisterschaft gewonnen und das Top 8 und bin doch reingekommen.»

Der 12-jährige Elia SchmidKeine Zweifel an sich selbst

Elia Schmid, ein ehrgeiziger Perfektionist, zweifelte nie an sich. «Ich habe ja früh Titel bei den Junioren gewonnen», erklärt er. Er kam immer voran, und der 14fache Schweizer Meister Thierry Miller, mit dem er vergangene Saison öfter trainierte, bestärkte ihn, er sollte seine Technik nicht verändern, sondern höchstens ergänzen. Sein Spiel sei interessant und verschieden von dem der anderen, kreativ und variabel, urteilte der Altmeister. Auch Elia Schmid sagt, seine Einzigartigkeit könne «ein Vorteil sein, wenn ich noch den Rückhand-Topspin dazulerne».

Dass er an der Schweizermeisterschaft Gold gewinnen würde, damit habe er nicht gerechnet, gesteht Elia Schmid. Sein Ziel war das erstmalige Vorrücken in die Medaillenränge im Einzel-Wettbewerb. Der Sieg ist jedoch kein Produkt glücklicher Umstände. Im Achtelfinale bezwang Schmid Nicolas Champod, dem er an Weihnachten im Ausscheidungsturnier um den letzten Platz für die Team-Weltmeisterschaft in Tokio unterlegen war.

Im Viertelfinale schlug er mit Samy Zmirou den Titelverteidiger. Im Halbfinale Christian Hotz, der ihn diesen Winter in der NLA zwei Mal geschlagen hatte und gegen den er an der SM vor einem Jahr ausschied. Und im Endspiel den gleichaltrigen Lionel Weber, in dessen Schatten er bisher gestanden hat - weil der Clubkollege immer in allen Rankings weiter vorne stand und alle fanden, dessen Spielweise werde ihn weiter nach vorne bringen.

«Nun an der Spitze etablieren»

Doch Elia Schmid ist seinen Weg gegangen. Jedes Jahr, ausser eines, spielte er eine Liga höher. Im letzten Sommer gehörte er zur Schweizer Auswahl, die an der Jugend-EM in die erste Division aufstieg. Und im Oktober zur Elite-Nationalmannschaft, die an der EM Platz eins in der Standard Division belegte. In der NLA hat er zwei Drittel seiner Matches für sich entschieden. «Für mein erstes Jahr ist das sicher gut», sagt er. Statistisch ist Elia Schmid in der höchsten Liga der zweitbeste Schweizer.

«Nun will ich mich an der Spitze etablieren», verkündet der Sport-KV-Lehrling bei der SBB. Es gibt keinen Grund, warum das nicht gelingen sollte. Dass er einst weniger Unterstützung erfuhr als andere, hat ihn positiv geprägt. «Ich denke, ich bin dadurch mental sehr stark geworden. Egoistisch vielleicht, kämpferisch. Spielerisch habe ich mich nicht so verändert. Tischtennis ist eine Einzelsportart. Man muss seinen eigenen Weg gehen.» Bereits am Dienstag ist Elia Schmid weitergereist. Ans French Youth Open in Metz.