"So etwas habe ich auch noch nie erlebt"
Fussball

"So etwas habe ich auch noch nie erlebt"

Der verpatzten Auftakt zur Rückrunde hat den FC Kreuzlingen viel Energie gekostet, aber auch wertvolle Erkenntnisse gebracht. Trainer Kürsat Ortancioglu stellt jedoch den Klassenerhalt der zweiten Mannschaft über die Platzierung des Fanionteams.

„Die Situation war auch für mich neu“, reüssiert FCK Trainer Kürsat Ortancioglu rückblickend eine knappe Woche nach Saisonschluss. Gemeint war die Niederlagenserie zum Rückrundenstart. Gleich vier Mal musste sein Team als Verlierer vom Platz, rechnet man die 1:2 Niederlage aus dem letzten Spiel der Vorrunde dazu  sind es gar deren fünf. „So etwas  habe ich in meiner jungen Trainerkarriere wirklich noch nie erlebt, dennoch hatte ich keine Bedenken dass wir da wieder rauskommen, Dank der Harmonie im Verein - man liess uns weiter in Ruhe arbeiten - haben wir schliesslich das Glück wieder auf unsere Seite gezwungen“. Ortancioglu, einst selber im FCK Dress,  sieht seine grün-weisse Vergangenheit als grosse Triebfeder. „Die Identifikation mit Kreuzlingen ist dadurch ungleich grösser“. Schöne Worte, denen er aber im Verlauf der Rückrunde auch handfeste Taten folgen liess. „Der Klassenerhalt der  3. Liga-Mannschaft war plötzlich wichtiger als der Erfolg der 1. Mannschaft“. Also übernahm er kurzerhand das Coaching als deren Trainer unpässlich war. Bei vielen Heimspielen der zweiten Mannschaft war Ortancioglu ehedem anwesend um sich direkt vor Ort ein Bild zu machen. Letztlich hielt die zweite Mannschaft problemlos die Klasse und die B-Jugend schaffte den Aufstieg in die Coca-Cola League. Vereinsziel erreicht.

Immer wieder kleine Rückschritte
Doch nach dem Abpfiff ist vor dem Abpfiff. Bereits seit Wochen arbeitet Ortancioglu, der intern auch das Amt des Sportchefs bekleidet, emsig an der Bildung einer schlagkräftigen Truppe für die neue Saison. Vier Akteure haben dem FCK den Rücken gekehrt, neben beiden Torhütern auch Abwehrchef Wolfgang Narr. „Der FCK ist für junge, ehrgeizige Spieler die sich weiterentwickeln wollen weiterhin eine gute Adresse im Fussball“. Der Trainer kennt den Markt im Amateurbereich, hat aber mit grossen Namen so seine Probleme: „Für Spieler die im Amateurbereich vom Fussball leben wollen ist der FCK sicher der falsche Verein“. Die Evaluation neuer Spieler läuft also auch deshalb auf Hochtouren, weil immer wieder Rückschritte verkraftet werden müssen. Da haben nämlich in den vergangenen Jahren stetig bestandene Akteure den Verein verlassen. „Wenn Brühl, Tuggen St. Gallen oder gar GC anklopft sind uns einfach die Hände gebunden“, so der Übungsleiter. Auch wenn man sich selber mittelfristig gerne in der 1. Liga sehen möchte wägt Ortancioglu ab: „Was nützt es mit einem finanziellen Kraftakt aufzusteigen wenn man oben nicht zu Recht kommt?“ Also bastelt der Trainer lieber an der nahen Zukunft und definiert sie sportlich so: „Wir wollen mit unserem Spiel den Gegner so weit als möglich vom eigenen Tor fernhalten. Offensive gewinnt das Spiel – aber Defensive die Meisterschaft“. Mit Namen von neuen Spielern die diese Philosophie auf dem Platz umsetzten will der Coach noch nicht rausrücken. Doch wer es auch immer sein wird, eines weiss Ortancioglu schon heute: “Jeder bringt Qualität mit, muss sich aber täglich neu beweisen. Glorreiche Vergangenheiten interessieren hier niemanden“. Und auch das weiss man natürlich in Kreuzlingen: „Garantien gibt es im Fussball keine“.