„Wie Bambi, das nach tollem Kampf in der Bärenhöhle beim Rausgehen vom Auto überfahren wird“: HSG Konstanz lässt Kaltschnäuzigkeit vermissen
Handball

„Wie Bambi, das nach tollem Kampf in der Bärenhöhle beim Rausgehen vom Auto überfahren wird“: HSG Konstanz lässt Kaltschnäuzigkeit vermissen

Unfassbare 33:34-Niederlage in allerletzter Sekunde trotz Sechs-Tore-Führung in Hagen. Es war die fünfte Pleite mit nur einem Tor.

Eigentlich hatte die HSG Konstanz in Hagen ein richtig gutes Spiel gemacht. Vor allem das Spiel an den Kreis war immer wieder eine Augenweide. Alleine achtmal traf Chris Berchtenbreiter in der ersten Halbzeit, am Ende waren es gar zwölf Tore und zwei herausgeholte Siebenmeter, die das Konstanzer Kraftpaket verbuchen konnte. Und dennoch war es wie so oft in dieser Saison: Konstanz brachte eine Sechs-Tore-Führung nicht über die Zeit und kassierte den K.o.-Schlag in buchstäblich allerletzter Sekunde. Scheinbar wöchentlich grüßt das Murmeltier. Es war bereits die fünfte Niederlage in dieser Saison mit nur einem Tor.

 

Eine Erklärung für das Geschehen in Hagen zu finden fiel allen Beteiligten offensichtlich schwer. Nach der Partie herrschte Fassungslosigkeit und große Wut auf Konstanzer Seite. Wut über sich selbst, sich für eine gerade spielerisch gute Leistung wieder mal nicht belohnt zu haben, über die eigene „Naivität“, wie Cheftrainer Daniel Eblen konstatierte, über das große Zittern in den letzten Minuten. Auch Hagens Trainer Niels Pfannenschmidt konnte sich den Erfolg seiner Mannschaft nicht richtig erklären. „Auch wenn wir uns natürlich über den Sieg freuen, muss ich mich beinahe bei Gäste-Trainer Daniel Eblen und seiner Mannschaft entschuldigen“, meinte er. Er war nicht der Einzige VfL-Offizielle, der mindestens einen Punkt für die Konstanzer als verdient angesehen hatte. Doch den gab es nicht. Und das nicht zum ersten Mal nach einem ähnlichen Verlauf.

 

„Wir belohnen uns nicht für unsere Leistungen“, befand Eblen und bekam dafür Zustimmung seines Kollegen Pfannenschmidt. In Sachen Handballspielen, Wille und Kampf ist der HSG kein Vorwurf zu machen, meint Eblen, aber: „Wir sind teilweise noch zu grün hinter den Ohren, es fehlt das Gespür dafür, wann was zu tun ist.“ Er attestiert seinen Schützlingen, gerade jenen, die letztes Jahr noch nicht so im Fokus standen, große Schritte im handballerischen Bereich. „Aber“, so Eblen, „es ist eine Sache, gut Handball zu spielen. Auf diesem Niveau zu gewinnen steht auf einem anderen Blatt.“

 

Exemplarisch dafür waren die Minuten vor dem Seitenwechsel. Statt mit fünf oder sechs Toren Vorsprung in die Kabine zu gehen waren es nur drei, trotz Auszeit der HSG. „Wir hatten lange, geduldige Angriffe besprochen“, erzählt Eblen. „20 Sekunden später folgt der Wurf aus dem Stand und das Gegentor durch einen Gegenstoß – das gleiche dann direkt nochmal.“ Mit Handball selbst haben die Defizite der HSG in der letzten Viertelstunde, als die letzten vier Minuten durch zwei unnötige Zeitstrafen in Unterzahl überstanden werden mussten, wenig zu tun, findet der 43-Jährige. „Es fehlt noch die Erfahrung und das Wissen, Spiele auf diesem Niveau für uns zu entscheiden.“

 

Als Daniel Eblen einen Tag später seiner Frau versuchte das Geschehene zu erklären kam ihm folgendes Bild in den Kopf. „Ein bisschen waren wir wie ein naives Bambi, das in der Bärenhöhle 55 Minuten super um sein Leben kämpft“, so der A-Lizenzinhaber. „Dann, beim Rausgehen aus der Höhle, wird es doch noch vom Auto überfahren. Weil niemand etwas von einem Auto gesagt hat.“ Die Sehnsucht nach einem Sieg ist groß bei den Konstanzern, der Lerneffekt nach vielen bitteren Nackenschlägen hoffentlich auch. Am Samstag, 20 Uhr, bietet sich gegen den HC Elbflorenz Dresden im vorletzten Heimspiel der Saison die nächste Gelegenheit auf Punkte. Eine neue Chance, sich endlich zu belohnen.

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Weitere Informationen unter:

www.hsgkonstanz.de