Ein «Spagat» mit Zukunftspotenzial
Eishockey

Ein «Spagat» mit Zukunftspotenzial

Patrick Rothen ist ein Muskelpaket von Mann. Personaltrainer im Hauptberuf. In den nächsten zwei Jahren als Spieler bei den Red Lions im Nebenamt tätig – mit dem Ehrgeiz allerdings, in Reinach so richtig durchzustarten und seine Karriere als Trainer zu lancieren.

Mit Patrick Rothen sprach Albert Fässler

Der 34-jährige Patrick Rothen wandelt damit auf den Spuren von HCD-Erfolgstrainer Arno Del Curto. Auch der Engadiner setzte als Trainer des SC Reinach nämlich einst Duftmarken im Oberwynental.

Warum hat sich Patrick Rothen ausgerechnet für die Red Lions entschieden? Der frühere SC-Bern-Junior und NLB-Spieler (Martigny, Biel), zuletzt im Erstligaklub SC Weinfelden tätig, hatte nach dem Abstieg der Ostschweizer nämlich auch andere finanziell lukrativere Angebote, folgte aber seinem Herzen und gab dem Ligabenjamin den Zuschlag. Ein Experiment, das Fragen aufwirft. Patrick Rothen wird bei den Red Lions nämlich eine Doppelrolle einnehmen – auf dem Eis als Spieler, neben dem Eis als verantwortlicher Konditionstrainer und gleichberechtigter Partner von Headcoach André Augstburger.

Patrick Rothen, die Rolle des spielenden Trainers gilt als überholt. Was hat Sie bewogen, diese Herausforderung trotzdem anzunehmen?

Patrick Rothen: «Mir gefallen neue Herausforderungen und mein Ziel nach meiner Hockeykarriere war schon immer der Einstieg ins Trainerbusiness. Als das Angebot der Red Lions kam, musste ich nicht lange überlegen. Dies ist meine Chance, mich als Trainer und Spieler zu beweisen. Es ist eine komplett neue Situation für mich, jedoch bin ich überzeugt, dass wir als Team und mit der Red-Lions-Familie im Rücken eine positive Saison mit der einen oder anderen Überraschung haben werden.»

Sie wollen explizit noch zwei Jahre spielen und erst dann ins Trainerbusiness wechseln. Ein Wechsel der Seiten quasi auf leisen Sohlen. Was sind die Beweggründe?

«Spieler möchte ich nach wie vor bleiben, weil ich mich körperlich und mental fit fühle und immer noch grossen Spass habe, auf dem Eis zu stehen. Zudem bin ich überzeugt, als Routinier dem Team helfen zu können. Ich kann gleichzeitig aber auch  Trainerluft schnuppern, von Erfahrenen lernen und so in meine Rolle hineinwachsen.»

Oberste Amateurliga bedeutet Leistungssport, Leistungsdenken und professionelles Arbeiten ohne grosses Entgelt. Sind Sie sich bewusst, was da auf Sie als Spieler und Assistenztrainer zukommt?

«Die Red Lions sehe ich als gute Chance, meine Zukunftspläne zu verwirklichen. Hockey bedeutet für mich nicht Arbeit , sondern Spass. Es ist das, was ich bis jetzt gelebt habe und am liebsten getan habe. Mir ist die Schwierigkeit der Aufgabe voll bewusst und ich weiss, was zu tun ist. Ich glaube an die sportliche Zukunft der Red Lions. Würde ich das nicht tun, hätte es keine Zusammenarbeit gegeben.»

Das Kader der Red Lions besteht vornehmlich aus jungen Talenten und wenigen Routiniers. Wagen Sie eine Prognose, ob die Substanz dieses Teams ausreicht, um in der Ostgruppe gegen starke Konkurrenz aus sieben Kantonen bestehen und den Klassenerhalt wahren zu können?

«Wir haben eine gute Mischung aus jungen Talenten und älteren erfahreneren Spielern, die sich gut ergänzen. Wenn die Routiniers ihre Leader- und Vorbildfunktion wahrnehmen und es uns gelingt, die Jungen mitzureissen, haben wir sicherlich ein enormes Potential, um in der Ostgruppe bestehen zu können. Natürlich wird es aber kein Selbstläufer.»

Wie ist die Idee einer doppelten Funktion im Team aufgenommen worden? Schliesslich erwartet man von Ihnen ja nicht nur eine Vorbildfunktion auf dem Eis, sondern auch Souveranität und Führungsstärke neben dem Eis.

«Das Team hat sehr positiv reagiert. Es ist für alle eine neue Situation. Ich werde mein Bestes geben, um in beiden Funktionen die hohen Erwartungen zu erfüllen.»

Im Prinzip ist die Meisterschaft 2018/19 nicht nur für Sie, sondern für das ganze Red-Lions-Kader wie ein Sprung ins kalte Wasser. Im Vergleich zum Vorjahr sind immerhin die personellen Voraussetzungen für einen geregelten Trainings- und Spielbetrieb geschaffen. Wie aber macht man aus 20 Einzelspielern ein funktionierendes und harmonierendes Team?

«Die Vorbereitungszeit werden wir dazu nutzen, uns kennenzulernen, einen guten Teamgeist zu pflegen und im Training zusammenzuwachsen. Der gegenseitige Respekt und das Wissen, dass man immer als Team gewinnt oder verliert, sind die Basis dazu. Es ist wichtig,  zusammen Spass zu haben, dabei aber niemals den Fokus auf das Wesentliche zu verlieren.»

Sie pendeln nun regelmässig zwischen Ihrem Wohnort Pfungen im Zürcher Unterland und der Heimspielstätte Reinach im aargauischen Oberwynental. Da dürfte Ihnen die Dauer-Stau-Hochburg Gubrist die Freude am Sport doch gelegentlich etwas vemiesen oder hat die Garderobe mit den Kollegen heilenden Charakter?

«Gelegentlich werde ich mich sicherlich nerven, aber den Spass am Hockey kann mir der Strassenverkehr nicht nehmen. Zudem kann ich die Hinfahrt nutzen, um mich mental auf das Training und die Spiele vorzubereiten. Hinzu kommt, dass Teamkollege Pascal Rietmann aus dem gleichen Wohnort kommt und wir jeweils gemeinsam nach Reinach fahren können. Das macht es natürlich leichter. Und dann stehen mir viele helfende Hände zur Seite.»

29 von 30 Spielen gingen letztes Jahr wegen dem viel zu kleinen Kader verloren. Wo stehen die Red Lions am Ende der Saison 2018/19? Wieder am Ranglistenende oder auf einem Play-off-Platz?

«Unser Ziel sind ganz klar die Play-offs. Die letzte Saison ist Vergangenheit! Wir schauen ausschliesslich nach vorne. Alles fängt wieder bei Null an und nur das zählt.»

Sie sind mit einem sehr auffälligen Klubfahrzeug der Red Lions unterwegs und werden dadurch zur öffentlichen Person auf den Strassen der Ostschweiz und der Kantone Zürich und Aargau. Wie gehen Sie mit dieser ungewohnten Popularität um?

«Es ist nicht das erste Mal für mich, in einem angeschriebenen Auto unterwegs zu sein. Wenn ich damit einen Beitrag zur Bekanntmachung der Red Lions leisten kann, ist das eine Win-Win-Situation für beide Seiten. An dieser Stelle vielen Dank an die Wyna-Garage, dem offiziellen Autopartner des Klubs.»

Foto (Thomas Moor): Patrick Rothen, als spielender Assistentstrainer in den Reihen der Red Lions, mit seiner Lebensgefährtin Tatjana Dimitri.