Über solche Siege freut sich keiner im Derby
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Über solche Siege freut sich keiner im Derby

Beim Aufeinander treffen zwischen Kreuzlingen und Frauenfeld (1:4) stand für einmal nicht das Resultat im Vordergrund. In einer für Derby Verhältnisse eher lauen Partie verwies der Unparteiische innert elf Minuten gleich drei FCK-Akteure des Feldes.

 

 

 

Wie in den letzten Jahren üblich, startete Kreuzlingen im Derby gegen Frauenfeld druckvoll, aber fehlerhaft. Gut „80 Prozent Ballbesitz“ hat FCK Trainer Ortancioglu in der ersten Spielhälfte der Seinen gesehen, Chancen konnten wir aber keine kreieren. Die Räume waren sehr eng, laufend mussten wir nach Lösungen suchen“, so die Erklärung des Kreuzlinger Coaches. Erschwerend kam hinzu, dass sich die sonst so aufmerksame  FCK Verteidigung bereits nach gut einer halben Stunde mit einem simplen Spielzug aushebeln liess. Nach einem Foul am Frauenfelder Mittelfeldmann Kälin führte dieser den Freistoss schnell aus. Zu schnell für die noch unsortierte Hintermannschaft der Grün-Weissen. Mit einer Prachtsparade vermochte Schlussmann Kessler vorerst schlimmstes zu verhindern, doch der völlig unmarkierte Erdal hatte aus wenigen Metern keine Mühe den Ball zum 0:1 ins Netz zu spedieren (28.). Die Führung im Rücken verlieh dem Gast aus Frauenfeld sichtlich Stabilität, die wenigen Konter der Hautstädter bis zur Pause wirkten jedenfalls um einiges durchdachter als die nervösen Bemühungen der Seebuben.

FCK: Drei Platzverweise innert 11 Minuten
Nach 48 Minuten schien die Sonne über Kreuzlinger gleich wieder etwas heller. Mit der ersten Offensivaktion der Einheimischen erzielte Spielmacher Soares den Ausgleich (48.). FCK Trainer Ortancioglu hatte die Mängel in der Pause angesprochen, sein Team hatte ihn offenbar verstanden. Über den Rest der zweiten Halbzeit verweigerte Ortancioglu in der Folge aber kategorisch „jeglichen Kommentar“. Ja, denn eigentlich deutete wenig auf die Dinge hin, die dieses Derby innerhalb von nur 11 Minuten völlig auf den Kopf stellen sollten. In einer insgesamt absolut friedlichen und fairen Partie zückte der Unparteiische nach einer Stunde nach einem Foul von FCK Mittelfeldakteur Dodes ohne zu zögern erstmals die rote Karte. Zugegeben, die Aktion nahe der Mittellinie war grenzwertig. Dodes traf seinen Gegenspieler auf Höhe der Magengrube, eine Absicht war jedoch für den Zuschauer nicht ersichtlich. Da schon viel eher sechs Minuten später: Weil sich der Kreuzlinger Schröder nach einem FCF Schubser über die Seitenlinie etwas zu schroff anstellte, verwarnte der Unparteiische nach eingehender Diskussion beide Akteure mit gelb. Nur für den bereits verwarnten Schröder bedeutete dies Platzverweis (66.). Dann, fünf Minuten später (71.) zückte der Schiri erneut Rot. Diesmal traf des den einzigen FCK Torschützen an diesem Nachmittag: Spielmacher Soares. Erst nach Spielschluss - und auf mehrfache Nachfrage - löste sich das Rätsel: Soares soll einen Gegenspieler geschlagen haben. Dass selbst nach dieser exotischen Spielsituation auf dem Feld alles in ruhigem Rahmen weiterlief, spricht zumindest für die Besonnenheit der verbliebenen Akteure auf und neben dem Feld.

Solche Siege machen keinen Spass
Fussball wurde danach auch noch gespielt. Frauenfeld nützte nun die Räume geschickt, stiess immer wieder in die offenen Lücken der Grün-Weissen. Die Entscheidung viel eigentlich schon mit dem Kopfball (nach Eckball) durch FCF Verteidiger Angst. Ohne grosse Gegenwehr setzte er das Leder am zweiten Pfosten zur 2:1 Führung für seine Farben ins Netz (70.). Später durfte der eingewechselte Lucarelli trotz klarer Abseitsposition alleine auf Keeper Kessler losziehen und den dritten Treffer erzielen (86.). Den Schlusspunkt setzte der auffälligste Spieler auf dem Platz: Yannik Kälin schob fast emotionslos und trocken einen Rückpass seines Mitspielers zum 4:1 ins Kreuzlinger Netz (89.). Die Reaktionen nach Abpfiff zeigten aber sowohl beim Publikum als auch im Frauenfelder Lager klar und deutlich: Über solch einen (Derby)Sieg mag sich keiner im Thurgau freuen.

Telegramm

Kreuzlingen - Frauenfeld   1:4 (0:1).
Hafenareal
  280 Zuschauer - SR: Patrick Winter.
Tore: 28. Erdal 0:1, 48. Soares 1:1, 70. Angst 1:2, 86. Lucarelli 1:3, 89. Kälin 1:4.
Kreuzlingen: Kessler; Affentranger, Tütünci, Narr, Schröder; Soares, Dodes, Vieira (76. Votta), Mathys (61. Misini); Pentrelli (74. Juchli), Bode.
Frauenfeld: Bretscher; Signer, Angst, Schlauri, Cura; Haag, Kälin, Gorte, Maag (Araz); Di Lionardo, Erdal (Lucarelli).
Verwarnungen: 13. Schröder (Foul), 50. Affentranger (Foul), 66. Gorte (Foul), 69. Vieira (Reklamieren) .
Bemerkungen: 29. FCF - Kopfball an die Latte 60. Rote Karte Dodes (grobes Spiel), 66. Rote Karte Schröder (wiederholtes Foulspiel), 71. Rote Karte Soares (Tätlichkeit). Kreuzlingen ohne: Wulf (Verletzt). Frauenfeld ohne: Exouzidis, Serafino, (Verletzt), Schlauri Alexander (Schule), Eggmann (Ausland) und Ognissanti (nicht im Aufgebot).